Die Vorbereitungen
Am Mittwochmorgen trafen sich alle zur Verteilung der Aufgaben im Innenhof. Ich war überwältigt, wie viele Ehrenamtliche sich Zeit nahmen, um für den Osterweg mit anzupacken. Insgesamt waren wir ca. 65 helfende Gäste! Ludwig Schultz von der Weggemeinschaft hatte den Osterweg perfekt geplant und wies allen eine Aufgabe zu: von Dekoration über Zeltaufbau, Gartenarbeiten bis zu den Details der einzelnen Stationen.
Meine erste Aufgabe war es, am Vormittag zusammen mit Elisa Bauer die Kinderbetreuung zu übernehmen: Für die Osterfeier am Sonntag wurden Eier bemalt und gefärbt. An den folgenden Vormittagen wurde die Kinderbetreuung von Jasmin Schusser und ihren Kindern fortgeführt. Es wurde weiter gebastelt, die Ostergeschichte erzählt und mit dem Maultier Jule ein Spaziergang gemacht.
Aufbau des Kinder-Osterwegs
Zusammen mit Elisa durfte ich den Kinder-Osterweg aufbauen. Los ging es auf dem riesigen, verwinkelten Dachboden, wo wir alle benötigten Materialien einsammelten. Wunderschöne, kindgerechte Bilder stellten wir auf Staffeleien und nummerierten sie mit einem kleinen Esel, mit dem sich die Kinder später orientieren konnten, an welcher Stelle der Geschichte sie sich befanden.
Der Kinder-Osterweg verläuft parallel zum Weg für die Erwachsenen, sodass Familien ihn gemeinsam erleben können. Dieses Jahr bekam jedes Kind ein Heft, in dem die Ostergeschichte – vom Leiden bis zur Auferstehung Jesu – erzählt wurde. An jeder Station konnten die Kinder in dieses Heft einen passenden Aufkleber einkleben.
Die Gemeinschaft der Mitarbeitenden
In den Pausen und beim Essen erlebte ich starken Zusammenhalt zwischen den Brüdern, der Weggemeinschaft und den Mitarbeitenden. Viele kannten sich bereits, einige waren zum ersten Mal dabei. Die Offenheit der unterschiedlichen Menschen begeisterte mich – selbst der Spüldienst nach dem Essen macht bei guter Unterhaltung richtig Spaß.
An Gründonnerstag erlebten wir einen besonderen Abend: Marco Gogg von der Weggemeinschaft und Bruder Marvin luden uns ein, das Passahfest, das Jesus mit seinen Jüngern gefeiert hatte, nachzuempfinden. Wir wurden in die Bräuche mit Salzwasser und Kräutern eingeführt und durften Brot brechen und teilen. Zum Schluss hatte das Küchenteam sich besonders ins Zeug gelegt und Lamm gekocht. Für mich war das eine sehr beeindruckende Erfahrung.
Karfreitag: Es geht los!
Am Freitagmorgen begann der Tag mit einer Kreuzigungsandacht. Danach wurden die Stationen fertig aufgebaut. Um 13:30 Uhr war dann alles bereit, der Parkplatz füllte sich immer mehr, und die Tore wurden geöffnet.
Die Besucherinnen und Besucher wurden am Fuße des Obstgartens vom Maulesel Jule empfangen und die Kinder bekamen ihr Stickerheft. Die erste Station erzählte vom Einzug Jesu nach Jerusalem: Mit einem „Drahtesel“ konnte man einen wunderschön geschmückten Weg entlangfahren.
Der Weg führte den Klosterberg hinauf: von der Geschichte der Fußwaschung an einem Brunnen ging es weiter zu einer Station, die an das Passahfest erinnerte. Hier konnte jeder ein Stück Brot essen und ein Glas Saft trinken.
Durch den Garten Gethsemane ging es an großen, angsteinflößenden Soldaten vorbei zur Verleugnung des Petrus. Hier hörte man im Hintergrund einen Hahn krähen.
Einmal durchs Hauptgebäude des Klosters hindurch, vorbei am Brunnen im großen Innenhof, thronte hoch oben Pilatus zur Verurteilung. Anschließend konnten an einer Station alle einmal ein schweres Kreuz hochstemmen.
Mit einem Stein in der Hand führte der Osterweg dann hinab durch die vernebelte Dunkelheit des Klosterkellers: eine sehr eindrückliche Erfahrung die symbolisch die Verzweiflung Jesu spüren lässt – bis hin zu seinem Tod.
Beim Aufstieg aus der Kellerkapelle in den sonnengefluteten kleinen Innenhof konnte ich wiederum die Hoffnungskraft der Auferstehung im Licht spüren. Hier durfte jede Besucherin und jeder Besucher als Zeichen der Osterfreude eine Narzisse in den Brunnen stecken und die Kirche besuchen.
Verweil-Möglichkeit im Barockgarten
Nach dem Osterweg gab es ein paar Stationen, an denen die Besucher und Besucherinnen weiter verweilen, miteinander und mit uns ins Gespräch kommen konnten: An einer Werkbank erklärte Bruder Marvin die Bedeutung des Christusträger-Kreuzes. Wer wollte, konnte eines dieser kleinen Holzkreuze abschleifen und mit nach Hause nehmen. Ich war wiederum im Kinderzelt eingeteilt: Hier konnten die Kinder ihre Hefte bekleben oder ausmalen. Einige gestalteten auch ihre Holzkreuze mit bunten Stiften. Viele Besucher und Besucherinnen kamen begeistert mit uns ins Gespräch und bedankten sich, die Geschichte Jesu so eindrucksvoll erlebt zu haben. Auf die Frage, was am beeindruckendsten war, antworteten die meisten: der dunkle Keller – und die großartige Idee, Leidenschaft, Überlegungen und Arbeit, die in diesem Weg stecken.
In einer kleinen Sonderausstellung konnten sich die Besucher anlässlich des Jubiläums der Christusträger im Kloster über den Umbau des Klosters vor 40 Jahren und die Arbeit der Brüder informieren. Außerdem verwöhnten die Eltern der Grundschule Triefenstein die Gäste mit Kaffee und über 100 Kuchen.
Dankbar & Erfüllt
Erstaunt über rund 1600 Besucher an Karfreitag durften wir an Karsamstag weitere 800 Menschen begrüßen. Die Osterweg-Helfertage wurden am Sonntag dann mit einem mitreißenden Gottesdienst zum Osterfest abgerundet, bevor sich alle Helfer wieder auf den Heimweg machten. Ich bin sehr dankbar für alle Begegnungen, Gespräche und Erfahrungen, die ich in diesen Tagen machen durfte – und für die vielen wunderbaren Menschen, die mich umgeben haben.