Lagerhalle in der Ukraine - angekommen
Wie es begann – 2022
Meine erste Fahrt in Richtung Ukraine führte mich bereits kurz nach Kriegsausbruch 2022 nach Rumänien. Damals fuhren wir Hilfsgüter in die Flüchtlingslager und Flüchtlinge nach Deutschland. Fast vier Jahre später ist der Krieg Alltag geworden – und ebenso die Versorgungsfahrten. Ein kleines Team deutscher Helfer fährt jedes Jahr zahlreiche Versorgungsfahrten zu Grischa nach Czernowitz und von dort an die ukrainisch-russische Front. Nachdem wir in Triefenstein lange aus der Ferne und mit logistischer Hilfe unterstützt hatten, fuhr ich im Dezember erstmals selbst zu Grischa in die Ukraine. Ich wollte Grischas Familie, seine Gemeinde und die Herausforderungen vor Ort besser verstehen. Grischa selbst hat uns schon einmal in Triefenstein besucht und von seinem Engagement als ukrainischer Christ für seine unter dem Krieg leidenden Landsleute berichtet.
Unsere Fahrzeuge jeweils mit Anhänger
Versorgungsfahrt 2024
Gemeinsam mit Marc Oliver und Dmytro starteten wir nach morgendlichem Gebet und Abschied in Triefenstein. Viele Menschen begleiteten uns im Geist – ein gutes Gefühl. Unser Bus, beladen mit Rollstühlen, medizinischen Hilfsgütern und Betten, hatte Czernowitz als Ziel. Die Organisation „Große Christliche Familie“, geleitet von Grischa, koordiniert die inländische Weitergabe der Hilfslieferungen.
Die Fahrt dauerte gut 26 Stunden und verlief reibungslos. Neben unserem VW-Bus mit großem Anhänger fuhr ein weiteres Gespann mit unserem Sprinter. Zudem befanden sich zwei weitere deutsche Fahrzeuge mit Hilfsgütern in der Ostukraine, um Menschen nahe der Frontlinie zu versorgen.
In Czernowitz (Südukraine) kamen wir schließlich alle zusammen und Grischas Familie empfing uns mit großer Herzlichkeit. Trotz aller Belastungen herrschten Gastfreundschaft, Wärme und Dankbarkeit. Beim gemeinsamen Ausladen, Essen und bei späteren Gesprächen mit weiteren Helfern wurde deutlich, wie unterschiedlich die Wege waren, die jeden hierhergeführt hatten – und uns doch ein gemeinsames Ziel verband: im Elend helfen.
Der Klinikleiter mit Timo und Hilfsgüter
Rehaklinik hinter Czernowitz
Meine Hauptaufgabe war die Lieferung von Krankenhausbetten und Hilfsgütern an eine Klinik nahe der moldawischen Grenze und an eine Rehaklinik hinter Czernowitz. Einer der Klinikleiter – Pedro, dessen Söhne im Militär dienen, führte uns stolz durch sein Krankenhaus. Trotz Krieg und Sorge war dort Hoffnung spürbar – im Lachen, im Stolz auf das Geschaffene, im Wunsch weiterzuhelfen.
Immer wieder wurde mir bewusst, wie allgegenwärtig der Krieg ist: auf Friedhöfen, auf Plakaten, in den Gesprächen, in der Angst der Menschen – auch fern der Front.
Besonders bewegend waren Grischas Berichte aus den Frontgebieten. Von jungen Ukrainern, die mit speziell umgebauten Fahrzeugen Menschen aus beschossenen Städten evakuieren. Von Verletzten, die notdürftig versorgt werden. Von Geschwistern im Glauben, die Suppenküchen anbieten, “Zurückgebliebene“ beherbergen und Hoffnung stiften. Bilder und Erzählungen, die sich einprägen und nachwirken.
Timo Bäcker unterwegs
Die innere Motivation
Was mich sehr umgetrieben hat, ist der Glaube der Fahrer und Beifahrer/innen. Kein Leichtsinn, kein Fanatismus – sondern Mut und der Wunsch, Gott gerade dort zu dienen, wo Not und Tod spürbar nahe sind. Grischa und sein Team schöpfen ihre Kraft aus Gebet, Verantwortung und Zusammenhalt.
Dass deutsche Glaubensgeschwister trotz des großen, persönlichen Risikos in diese Gebiete fahren zeigt, dass Gottes Reich kein Reich dieser Welt ist und keine irdische Nation. Es ist der Herrschaftsbereich von Glauben, Liebe und Hoffnung.
Mitten im Krieg gibt es Menschen, die kommen und bleiben und handeln. Mich erinnert dieser Dienst an ein Bibelwort:
„Was ihr einem dieser meiner „Geringsten/Elendsten“ getan habt, das habt ihr mir getan“ (Jesus)